Freundinnen – 20 Jahre später

Freundinnen

Zwanzig Jahre, drei Ehemänner und vier Kinder später, sahen sie sich wieder. Sie waren einmal Freundinnen, nun waren sie sich fremd. Komischerweise sehr viel fremder und vorsichtiger als echte Fremde. Zufällig trafen sie sich beim Klamottenkaufen in einem Billigladen, von dem beide behaupteten, sie würden hier sonst nie kaufen. Sie hatten den gleichen Gedanken „Hat sie mich gesehen, oder kann ich noch so tun, als hätte ich sie nicht gesehen?“ Zu spät. Sie sahen sich direkt in die Augen. „Das war einmal meine beste Freundin“ Sie hatten sich nicht gestritten, nur vergessen, es gab Wichtigeres. Also gingen sie pflichtschuldig zusammen Kaffee trinken. Allein sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen dauerte schon den halben Nachmittag.

Wilde Engel

Vor zwanzig Jahren dachten sie, sie wären „Wild, wild Angels“ nach dem Titel von Smokie. Nun waren sie Mütter in mittleren Jahren, Heike wurde gerade das zweite Mal geschieden, sie hatte einen 19 jährigen Sohn, der bereits aus dem Haus war, aus der ersten Ehe. Barbara war so bestrebt, ihre Ehe als glücklich zu bezeichnen, dass sie keinem etwas vormachen konnte, drei Kinder hatte sie inzwischen. Das Jüngste, ein Mädchen, war erst drei und ganz offensichtlich ein Produkt einer Eherettungsaktion. Aber in ihren Köpfen hallten Lieder wie „18 till I die“ von Brian Adams oder „I can sleep when I´m dead“ Nun sahen sie im Gesicht der Freundin gegenüber, dass sie keine wilden Hühner mehr waren.

Der kleine Unterschied

Sie hassen sich, von Freundschaft keine Spur. Nur mich hassen die beiden noch mehr, weil ich zufrieden bin. Beide riefen mich bald nach dem Treffen an. Jede erzählte mir, wie alt die andere aussah und wie furchtbar langweilig sie wäre. Jede erzählte mir, was die andere über mich gesagt hatte „das ist doch nicht normal, keine Kinder und keinen Mann, die muss doch todunglücklich sein!“ Ich grinse mich durch die Gespräche, hielt von Zeit zu Zeit das Telefon zu, um mein Lachen zu verstecken, ich hätte auch ein Tonband aufstellen können, die Geschichten und abfälligen Bemerkungen waren identisch. Freundinnen nannten wir uns alle einmal, aber heute habe ich Freundinnen und kenne den Unterschied.

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